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09.09.2010 21:57 |
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Älteste Hegau-Siedlung in Singen entdeckt
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aus dem seehas-Magazin Mai Juni 05
Im März und April 2005 untersuchte der Konstanzer Kreisarchäologe Jürgen Hald fünf Baugrundstücke am Fuße des Hohentwiels in Singen. Auf einer Geländeterrasse nahe dem Hegau-Klinikum wurden 1998 vom Archäologen Dr. H. Schlichtherle bei einem Klinik-Aufenthalt die ersten jungsteinzeitlichen Funde aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. entdeckt. Erste Sondergrabungen im Jahr 2001 brachten weitere Fundstücke ans Licht, die zeigen, dass das siedlungsgünstige Gelände über der Aach seit 7500 Jahren immer wieder von Menschen bewohnt wurde. Denn neben den steinzeitlichen Funden sind auch Siedlungsreste der frühen Kelten (um 500 v. Chr.) sowie aus dem Mittelalter bei den kleineren Ausgrabungen zutage gekommen. Da weitere Funde zu erwarten waren, führte Kreisarchäologe Jürgen Hald in enger Absprache mit der Stadt Singen und der Abteilung für Denkmalpflege am Regierungspräsidium Freiburg eine vorgezogene archäologische Ausgrabung der zur Bebauung anstehenden Grundstücke durch. Mit technischer und auch finanzieller Unterstützung der Stadt Singen konnten die Grundstücke vor Baubeginn archäologisch untersucht werden, so dass für die künftigen Bauherren keinerlei Verzögerungen entstanden.
Im 1500 qm großen Baugebiet konnte Kreisarchäologe Hald mit Archäologie-Studenten der Universität Freiburg weitere Reste der jungsteinzeitlichen und frühkeltischen Siedlungsaktivitäten dokumentieren und bergen. Neben Fundamentgruben von hölzernen Hauspfosten wurden auch Vorratsgruben mit dem Abfall der vorgeschichtlichen Siedler freigelegt. Von besonderem Interesse war eine langgezogene, feuchte Geländemulde am Südrand der Baufläche, die möglicherweise in der Vorzeit als Wasserstelle genutzt wurde. In den Verfüllschichten finden sich immer wieder Keramikscherben und Feuersteingeräte der jungsteinzeitlichen Siedler. Hier liegen die Abfälle der ersten sesshaften Menschen im Hegau. Aus Südosteuropa der Donau aufwärts folgend, haben sich ersten Siedler etwa zwischen 5400 und 5000 v. Chr. auch in Singen niedergelassen. Nach der Verzierung ihrer Keramikgefäße werden die Hinterlassenschaften dieser Menschen als Bandkeramik-Kultur bezeichnet. Von besonders wissenschaftlichem Interesse sind jedoch weitere Funde von Tonscherben der sogenannten La Hoguette-Kultur. Sie zeigen, so der Kreisarchäologe, dass bereits vor den ersten Bandkeramik-Leuten Menschen am Hohentwiel siedelten. Diese Funde dürften noch in die Zeit vor 5500 v. Chr. gehören. Die typischen knochengemagerten Keramikbruchstücke stammen von Steinzeitmenschen, die sich vom Mittelmeer über Südfrankreich nach Südwestdeutschland ausgebreitet haben. Im „internationalen“ Singen könnten beide Kulturgruppen noch aufeinander getroffen sein. Mit den etwa 7500 Jahre alten Funden ist in Singen auch die älteste Siedlung sesshafter Menschen im Hegau und dem Bodenseegebiet nachgewiesen. Lediglich von Gächlingen nahe Schaffhausen sind weitere Siedlungsreste dieser Zeit bekannt. Kreisarchäologe Jürgen Hald freut sich, dass die Ausgrabungen überaus wertvolle Erkenntnisse für die früheste Aufsiedlung der Region erbracht haben und auch die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen werden konnten.
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