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Bericht aus dem seehas-Magazin Dez/Jan/Feb 04/05
Das Silvesterchlausen ist im ausserrhodischen Hinterland der wohl eindrücklichste Winterbrauch. Dieses Brauchtum geht zurück auf religiöse Streitigkeiten: während die Appenzeller Katholiken im Jahre 1582 die heutige gregorianische Zeitrechnung übernahmen, weigerten sich die reformierten Orte, diese päpstliche Verordnung anzunehmen. In der Zeit der französischen Revolution verfügte der Helvetische Grosse Rat, den julianischen Kalender auf dem ganzen eidgenössischen Gebiet abzuschaffen. Somit hatten sich die Bewohner des Kantons Ausserrhoden ab dem 1. Januar 1799 auch an unsere Zeitrechnung zu halten. Unvergessen blieb aber das Chlausen am „Alten Silvester“ – dem 13. Januar. Seither wird in Urnäsch zweimal Jahresausklang gefeiert.
In Schuppeln (Gruppen) ziehen die Chläuse von Hof zu Hof und überbringen die guten Wünsche für das Neue Jahr.
Die „Schönen Chläuse“ erkennt man am blauen, roten, gelben oder braunen Samt, den sie für ihr „Groscht“ verwenden. Während sie immer die männlichen Larven mit Bart tragen, sind die Rollewiiber mit weiblicher Mas-ke, mit dem Blümchen im Mundwinkel, versehen. Besonders auffallend wirken die farbenfrohen Hauben und Hüte, die in harter Handarbeit selber geschaffen werden. Sie messen im Durchmesser und in der Höhe bis zu einem Meter. Darauf sind meist Szenen aus dem bäuerlichen Alltag und dem Senntum in Miniatur dargestellt. Farbige Ornamente, gläserne Kügelchen und Spiegelchen verzieren diese kunstvollen Hauben, dass es nur so glänzt und glitzert.
Daneben gibt es die „Wüsten Chläuse“, die sich vorwiegend mit Naturalien aus Hof und Wald schmücken und bekleiden. Aus Tannenreisig, Laub, Heu, Holzwolle, Hobelspänen, Moos, Felle, Tiergeweih etc. entstehen oft urchige Gestalten, wovor man sich fürchten könnte.
Die dritten Chläuse – die „Schön-Wüsten“ -, die sich mit kunstvollen Pellerinen und Hauben kleiden, verwenden dazu ebenfalls Tannzapfenschuppen, Buchennüsse, Schneckenhäuser, Pilze etc.
Vor dem ausgesuchten Haus schwingen die Schellenchläuse ihre Schellen und die Rolli hüpfen auf und ab... Sobald sich die Türe öffnet, wird im Kreis gezauert ( typischer Jodel)
Und man tauscht die guten Wünsche aus. Die Bewohner bedanken sich für das ehrenhafte Chlausen und offerieren gerne Weiss- oder Glühwein oder heissen Most.
So ziehen die Schuppel ihren ausgemachten Strech (Strecke) weiter und gelangen gegen Nachmittag ins Dorf. In den Wirtschaften wird bis in die frühen Morgenstunden gezäuert und gefeiert. Noch lange hallt der Ton der Schellen und Rollen in der kalten Winternacht.....
Buchtipp:
Marcel Grubenmann / Lisa Tralci
Silvesterchlausen – wo das Jahr zweimal beginnt
192 Seiten, ISBN 3-85882-245-0, CHF 89.-- / Euro 59.-
Appenzeller Verlag
Fotograf Marcel Grubenmann und Autorin Lisa Tralci hefteten sich den Silvesterchläusen an die Fersen und berichten in einem prächtigen Bildband über den Brauch, der noch heute in der Urnäscher Bevölkerung tief verwurzelt ist und regelmässig viele Besucher ins Appenzellerland lockt. Im Spiel zwischen Schärfe und Unschärfe zeigen 200 Farbbilder die wohltuende Landschaft Urnäschs, in Hügelketten eingebettet und vom Alpstein umrahmt.
Zuschauer erzählen, weshalb sie Jahr für Jahr der Faszination des Silvesterchlausens erliegen.
Interessante Bücher als Geschenkideen:
Hans Ferner: Thurgauer Jahrbuch 2005,
gebunden, reich illustriert, ISBN 3-7193-1379-4,
Huber Verlag, Frauenfeld
Wer das Thurgauer Jahrbuch sammelt, verfügt über eine hochinteressante Dokumentation über alles, was in Politik, Kultur, in Landwirtschaft, in Unterricht und Forschung, in Wirtschaft und Gesellschaft für den Thurgau über Jahre hinweg wichtig war. Es gibt nur wenige Kantone und Regionen, die über so viele Jahrzehnte hinweg eine lückenlose Chronik aufzuweisen haben.
Hans Ruedi Fischer: Die Ittinger Himmelsleiter – Weihnachtsgeschichten
ca. 100 Seiten, gebunden, ISBN 3-7193-1250-X, CHF 29.80 / Euro 19.90
Huber Verlag Frauenfeld
Sie gehören auch heute noch zu den Grundbedürfnissen von abertausenden von Familien: Geschichten zu Weihnachten. Wer erinnert sich nicht gerne an die besonderen Stunden, in denen man als Kind Weihnachtsgeschichten vorgelesen bekam. Ein Stück Geborgenheit haben sie uns gegeben, diese Geschichten; sie haben die Zeit des Wartens verkürzt und waren Vorboten des Weihnachtsfestes. Mit herzlicher Frische und seiner bekannten Gradlinigkeit beglückt Hans Ruedi Fischer seine Leser mit einer „Zaine“ voller Geschichten rund ums grosse Fest.
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