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Bericht aus dem seehas Magazin Dez/jan/Feb/ 04/05
Santa Claus hat nicht immer so ausgesehen, wie der fröhliche, alte Bursche, den wir heute kennen. Wie so viele amerikanische Traditionen, ist er ein Produkt des großen amerikanischen Schmelztiegels - eine Mischung aus vielen verschiedenen Kulturen und Bräuchen. Seine frühesten Vorfahren gehen zurück in die Zeit vor Christus, als „himmelreitende“ Gottheiten die Erde beherrschten. Die mythologischen Charaktere Odin, Thor und Saturn gaben uns die Grundlage für viele von Santas unverwechselbaren Charakterzügen.
Die einflußreichste Figur in der Gestaltung des heutigen großzügigen und liebenden Santa Claus war allerdings ein tatsächlich existierender Mann. Sankt Nikolaus von Myra (in der heutigen Türkei), ein Bischof des 4. Jahrhunderts. Als Verfechter der Kinder und Bedürftigen, war er legendär für seine Güte und Großzugigkeit.
Die Tradition der Wohltätigkeit
In einer wohlbekannten Geschichte eben dieses Sankt Nikolaus von Myra finden wir zwei der Grundlagen für den Geist des Weihnachtsfestes - mit anderen teilen und den Benachteiligten helfen - sowie die Tradition, Socken an den Kamin zu hängen.
Laut dieser Legende gab es in Italien einst drei junge Mädchen. Da der Vater ihnen die zur Heirat nötige Mitgift nicht zahlen konnte, erwägte er, eine seiner Töchter in die Sklaverei zu verkaufen um die Aussteuer für die anderen zwei bezahlen zu können. Als der gute Heilige von der Not der Familie erfuhr, ging er nachts zu deren Haus und warf drei Beutel mit Geld durch den Kamin. Auf wundersame Weise fiel jeweils eines der Täschchen in die Socken der Schwestern, die am Kamin zum Trocknen hingen. Sankt Nikolaus´ gütiges Geschenk ermöglichte es allen drei Schwestern zu heiraten.
Der Schutzheilige
Aufgrund seiner Weisheit und Güte beanspruchten viele Sankt Nikolaus als ihren Schutzheiligen. Kinder, Segler, Diebe oder gar ganze Länder wie Russland oder Griechenland beteten zu dem mitfühlenden Heiligen um Führung und Schutz.
Dem Tag seines Todes, dem 6. Dezember, wurde mit einem jährlichen Fest gedacht, das den Beginn der mittelalterlichen Weihnachtszeit darstellte. Am Sankt Nikolaus-Abend stellten die Kinder Essen für den Heiligen, Stroh für seine Pferde und Schnaps für seinen Diener vor die Tür und gehorsame Kinder wachten am nächsten Morgen auf um anstatt ihrer Gaben Süßigkeiten und Spielsachen zu finden. In vielen Ländern wird der St. Nikolaus-Tag noch heute gefeiert und im Geiste von Brüderlichkeit und Wohltätigkeit, für den der heilige Nikolaus stand, werden auch heute noch Geschenke verteilt.
Die Entstehung von Santa Claus
Nach der protestantischen Reformation im 16. Jarhundert wurden die Feste und Verehrungen der katholischen Heiligen verbannt. Aber die Leute hatten sich an den jährlichen Besuch ihres schenkenden Heiligen gewöhnt und wollten den Zweck des Festes nicht in Vergessenheit geraten lassen. So verschmolzen in vielen Ländern der St. Nikolaus-Tag mit dem Weihnachtsfest und obwohl der Geschenkebringer neue, nicht-religiöse Formen angenommen hat, strahlt er immer noch den großzügigen Geist des Heiligen aus.
Viele dieser Charaktere gibt es heute noch. Einer von ihnen zum Beispiel ist Knecht Ruprecht, der als böser und bestrafender Gegenpart zu St. Nikolaus nicht nur an seiner Seite die ungehorsamen Kinder bestrafte, sondern in manchen Ländern als der Geschenkebringer selbst fungiert. Seine schwarze Gestalt rührt daher, daß er die Geschenke durch den Kamin brachte und deshalb voll mit Ruß war.
Santa Claus heute
Der traditionelle Nikolaus ist also ein Gemisch aus vielen Bräuchen, die zum Teil mehrere tausend Jahre zurück reichen. Santa Claus wie wir ihn heute kennen stammt allerdings aus Amerika. Im 17. Jahrhundert brachten die Holländer ihre Version vom Nikolaus, den „Sinterklaas“ mit in die neue Welt. Viele der englischsprachigen Kinder sprachen diesen Namen so schnell aus, daß es wie „Santy Claus“ klang. Mit den Jahren änderte sich der Name in Santa Claus.
Im Jahre 1808 kreierte der Autor Washington Irving eine neue Version des alten heiligen Nick. Irving beschrieb ihn als einen fröhlichen Holländer, der mit einem fliegenden Pferdewagen durch die Nacht flog und Geschenke in die Kamine seiner Lieblinge warf.
1822 schrieb Dr. Clement Clarke Moore das Gedicht „Ein Besuch von Santa Claus“ in dem er Irvings Pferdewagen durch einen Schlitten mit acht Rentieren ersetzte und ihm so einen polaren Touch gab. Wenn wir heute an Santa Claus denken, haben wir meist Moore´s Beschreibung im Kopf: „He had a broad face and a little round belly, that shook, when he laughed, like a bowl full of jelly.“(Er hatte ein breites Gesicht und einen kleinen runden Bauch, der sich schüttelte, wie eine Schüssel Gelee, wenn er lachte.)
Bis zu diesem Punkt konnte sich jeder die körperliche Erscheinung Santas und die Farbe seiner Kleidung selbst ausmalen. Bis der deutsche Einwanderer Thomas Nast 1863 den Auftrag bekam, Moores Vers für ein Kinderbuch zu illustrieren. Er gab uns einen netteren Santa, der zwar immer noch alt, aber weniger streng war, als der alte Sankt Nikolaus. Nast kleidete Santa in rot und gab ihm ein Zuhause am Nordpol.
Der Künstler Haddon Sunbloom verpasste Santa Claus schliesslich den letzten Feinschliff. Ab 1931 sah man auf seinen Plakaten und anderen Werbungen für Coca Cola einen großväterlichen Santa Claus mit menschlichen Proportionen und einer rötlichen Gesichtsfarbe. Sunbloms lebensfroher Santa mit den glitzernden Augen gilt heute in der Öffentlichkeit als das populärste Bild des Geschenkebringers.
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